Samstag 19. Mai 2012
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Inhalt:

Verein Jugendlicher Arbeiter

Lehrlingsschutz

[die geschichte der sozialistischen jugend österreich]

Immer mehr Augenmerk wendete der Verein daraufhin dem Jugendschutz zu. In Zusammenarbeit mit einigen Gewerkschaftern - die Grenzen zwischen Partei und Gewerkschaft waren damals noch nicht so präzis gezogen - gingen die Vereinsfunktionäre daran, Lehrlingsschutzkomitees zu organisieren. Diese Komitees standen bedrängten Lehrlingen mit Rat und Tat zur Seite; sie intervenierten oftmals bei den Dienstgebern, die als Lehrlingsschinder bekannt waren und erstatteten Anzeige beim Gewerbegericht oder bei der Polizei.

Oftmals kam es auch zu Demonstrationen des Vereins vor einer betroffenen Werkstatt, die nicht ohne Wirkung blieb, denn bald zeigte sich eine deutliche Erleichterung für die unter den Repressalien der Dienstgeber laborierenden Lehrlinge.

In seiner Biographie über Robert Danneberg „Robert Danneberg - Ein pragmatischer Idealist“, schildert Leo Kane die dramatische Situation der Lehrlinge um die Jahrhundertwende:

„Es muss seinen Angaben nach um die Jahrhundertwende gewesen sein, als Danneberg von dem Versuch der Gründung einer Zeitschrift für Lehrlinge hörte. Dem Leiden der Lehrlinge konnte sich niemand, der damals eine Zeitung aufschlug, verschließen. Keine Woche verging, in der nicht von Selbstmorden und Selbstmordversuchen oder von dem plötzlichen Verschwinden aus der Lehre entlaufener Lehrlinge berichtet wurde. Selbst die nichtsozialistische Presse brachte zumindest in ihren Gerichtssaalberichten Beschreibungen von Lehrlingsmisshandlungen, wobei nicht übersehen werden konnte, dass die Meister auch bei schweren Körperverletzungen der ihnen zur Ausbildung überlassenen Kinder ungeschoren blieben. Die Lehrlinge waren nicht nur die am brutalsten ausgebeutete Gruppe, sie stellten auch einen nicht unbedeutenden Teil der in Kleinbetrieben beschäftigten Personen dar.

In einer Broschüre, die die Erfahrungen von vier Jahren Arbeit in der Lehrlingsbewegung zusammenfasste, gab Danneberg dazu einige Zahlen an. In Österreich, wo das Kleingewerbe noch nicht von den großen Fabriken verdrängt war, entfiel 1902 auf die kleinsten Betriebe nahezu die Hälfte sämtlicher gewerblich tätigen Personen. Von 1.051 836 Betrieben beschäftigten 448 552 nur eine Person, und 460.331 Betriebe beschäftigten zwei bis fünf. Danneberg schätzte die Zahl der im Handwerk beschäftigten Lehrlinge auf 200.000.

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