Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, besonders den 30er und 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts, beschränkte sich in Österreich bis Mitte der 1980er vor allem auf die Rolle Österreichs als "erstes Opfer des Nationalsozialismus". Des NS-Terrors zu gedenken, hieß damit in erster Linie, sich nicht die eigenen, sondern deutsche Untaten in Erinnerung zu rufen.
Gehen wir ein bisschen in die Tiefe, ist es mit den Gemeinsamkeiten allerdings bald vorbei. Wie sah die Welt aus, die faschistische Bewegungen hervorbrachte? Worin ähnelt sie der Welt, in der wir heute leben, und wo unterscheidet sie sich von ihr? Wie gelangten Organisationen wie die NSDAP zur Macht? Waren die Horden Hitlers einzigartig, oder gab es auch in anderen Ländern ähnliche Bewegungen? Von welchen gesellschaftlichen Gruppen wurden die Braunen unterstützt, und von welchen bekämpft? Wer wurde von den Nazis unterdrückt - und wer profitierte von ihrem Terrorregime? Und wie sollen wir aus der Vergangenheit für die Gegenwart und die Zukunft lernen, ohne Antworten auf diese Fragen?
Die Broschüre stellt den Versuch dar, sich theoretisch mit den Systemen hinter dem Grauen auseinander zu setzen. Nicht die faschistischen Regime und die Verbrechen, die sie nach ihrer Machtübernahme begingen, stehen im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie die faschistischen Bewegungen in Deutschland und Italien überhaupt erst an die Macht gelangen konnten.