Samstag 19. Mai 2012
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Austrofaschismus

Die Geschichte des Faschismus in Österreich


Im Jahr 2004 jährt sich zum 70. Mal der Aufstand der österreichischen ArbeiterInnen gegen die Errichtung des "Ständestaates", der christlichsozialen Diktatur des Engelbert Dollfuß. Auf viele wirken die Appelle, die damaligen Entwicklungen in Erinnerung zu behalten, überholt, eigenbrötlerisch, ja "hysterisch" oder schlicht "lächerlich". Was also bewegt SozialistInnen, allen Unkenrufen zum Trotz, sich mit dem österreichischen Bürgerkrieg und seiner Vorgeschichte zu beschäftigen?

Der Staat, in dem wir leben, ist nicht vom Himmel gefallen. Nach dem Zusammenbruch des faschistischen Regimes 1945 wurde ein Gebilde erneut aus der Taufe gehoben, das schon nach dem Ersten Weltkrieg 15 Jahre lang existiert hatte: die Republik Österreich. In der politischen Auseinandersetzung standen sich dieselben politischen Kräfte gegenüber wie vor dem "Anschluss" an Deutschland 1938. Im Bemühen auch nur irgendeine gemeinsame Basis zu finden, auf der eine demokratische Politik möglich war, wurde von der Sozialdemokratie ein stillschweigender Kompromiss akzeptiert: Um der Zweiten Republik eine Zukunft zu eröffnen, wurde das Scheitern der Ersten Republik höchstens auf Gedenkveranstaltungen thematisiert.

In der Öffentlichkeit einigten sich ÖVP und SPÖ auf die Sprachregelung von der "geteilten Schuld". Die dazugehörige Legende besagt kurzgefasst, dass in der harten Zwischenkriegszeit hüben wie drüben radikale Elemente an Einfluss gewonnen hätten. Statt sich zu einigen, hätten beide Seiten hochgerüstet, bis schließlich ein Tropfen das Fass zum Überlaufen gebracht habe. Die Geschichte der Diktatur ab 1934, verharmlosend "Ständestaat" genannt, blieb weitgehend im Dunklen. Die einigende Klammer bildete die Verklärung Österreichs als "Erstes Opfer der deutschen Aggression" und der "gemeinsame Wille zum Wiederaufbau" nach 1945.

Die Sozialdemokratie nahm mit diesem Kompromiss viel in Kauf. Denn es war ja die Linke gewesen, die nach dem Ersten Weltkrieg der Monarchie das Grab geschaufelt und die Demokratie erkämpft hatte. Weder Christlichsoziale und Kirche, noch die deutschnationale Großdeutsche Partei waren Freunde des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts gewesen.

Nach 1945 tolerierte die SPÖ dann trotzdem die Mär von der "Republik, die keiner wollte". Nicht nur 1918, auch später war die Linke jene politische Kraft gewesen, die sich bis 1934 gegen alle diktatorischen Bestrebungen der Rechten für den Erhalt der demokratischen Republik eingesetzt hatte. Nun stimmte sie dennoch indirekt einer Version zu, die ihr eine erhebliche Mitschuld an der Beseitigung der Demokratie zuwies.

Die Christlichsozialen hatten bis 1934 (und danach wieder ab 1935) intensiv versucht, sich mit den Nazis zu arrangieren, um Sozialdemokratie und Gewerkschaften ungestört vernichten zu können. Nach 1945 nahm die Sozialdemokratie jene Legende mehr oder weniger unwidersprochen hin, die behauptete, der "Ständestaat" wäre nichts als ein österreichisches Abwehrprojekt gegen den deutschen Nationalsozialismus gewesen. Unwidersprochen verklärte die ÖVP Dollfuß & Co. zu Widerstandskämpfern und behauptet bis heute, der kleine Diktator wäre "das erste Opfer der Nazis" gewesen.

Jene aber, die lange Jahre alleine gegen die Nazis gekämpft hatten, wurden und werden im gleichen Atemzug als "antidemokratische Bolschewisten" denunziert. Die Spätfolgen des Schweigens treten auch heute noch oft genug zu Tage. Besonders offensichtlich dann, wenn der österreichische Nationalratspräsident ein Dollfuß-Portrait, das bis heute den ÖVP-Parlamentsklub ziert, mit dem Argument verteidigt, Dollfuß sei als "Märtyrer im Kampf gegen die Nazis" gestorben.

Weitaus weniger offensichtlich - aber nicht minder besorgniserregend wie so plumpe Geschichtsklitterung sind die Parallelen der gegenwärtigen Politik mit Entwicklungen in der Ersten Republik, die allgemein kaum aufzufallen scheinen: Schon damals führten die Zerschlagung sozialer Sicherungssysteme, der aberwitzige konservative Sparfetischismus (der Schuldenmachen immer nur dann goutiert, wenn Reiche davon profitieren) und die "Verschlankung" des Staates zu Massenarbeitslosigkeit und Verarmung breiter Bevölkerungsschichten.

Die Broschüre stellt den Weg der Ersten Republik in den Faschismus dar, wie auch die an der Demontage der demokratischen Republik beteiligten Kräfte. Nicht die "Radikaliserung" jener Zeit war Schuld an der Beseitigung der Demokratie in Österreich, sondern die Bestrebungen bekennender antidemokratischer Kräfte, diese zu beseitigen. Die Broschüre kannst du hier bei uns im Webshop kostenlos bestellen.

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