Samstag 19. Mai 2012
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Inhalt:

Revolutionäre Sozialistische Jugend

Die Revolutionäre Sozialistische Jugend

[die geschichte der sozialistischen jugend österreich]

Aus der verbotenen SDAP gingen die „Revolutionären Sozialisten“ als Nachfolgeorganisation hervor, aus der SAJ die Revolutionäre Sozialistische Jugend – RSJ.

Die RSJ konnte auf die meisten JugendfunktionärInnen aus der SAJ zurückgreifen, denn die meisten von ihnen waren arbeitslos und wollten sich zumindest die sozialistische Jugendgemeinschaft, die ihrem Leben selbstbestimmenden Inhalt gegeben hatte, nicht auch noch wegnehmen lassen.

Gemeinsam mit den Revolutionären Sozialisten versuchte die RSJ eine Mediatoren - Position zwischen der reformistisch sozialdemokratischen und der kommunistisch orientierten Arbeiterbewegung einzunehmen. Sie unterstützte dabei Otto Bauers Konzept eines „Integralen Sozialismus“.
SozialistInnen und KommunistInnen, schlug Bauer vor, sollten sich wieder, wie vor dem Ersten Weltkrieg, in einer einzigen Partei zusammenfinden. Selbstverständlich war dieser Zusammenschluss nach Einschätzung Bauers eine sehr komplizierte Operation und mehr als bloß eine mechanische Addition. Der Integrale Sozialismus sollte aus einer Synthese von revolutionär gewordenem sozialdemokratischen Reformismus und demokratisch gewordenem revolutionären Bolschewismus bestehen.

Sehr viele junge SozialistInnen büßten nach 1934 ihr Engagement für die Widerstandsbewegung mit hohen Kerkerstrafen oder sogar mit dem Tod. Josef Gerl etwa, ein Funktionär des Wiener Verbandes, wurde am 24. Juli 1934 hingerichtet. Der austrofaschistische Kanzler Engelbert Dollfuss hatte zuvor ein Gnadengesuch für Gerl abgelehnt. Das Dollfuss-Regime hatte ihm unterstellt, dass er beim Überfall von bewaffneten Gendarmen auf eine sozialdemokratische Gedenkveranstaltung Sprengstoff gezündet hätte, was nachweislich nicht der Fall war. „Die Idee bedeutet mir mehr als mein Leben“, rief Gerl seinen Henkern noch zu, ehe er starb. Er drückte damit aus, was alle jungen revolutionären SozialistInnen fühlten, die im Widerstandskampf standen.

Dennoch bekannten sich die Mitglieder der RSJ in Blitzkundgebungen, in Zeitungsartikeln und auch vor Gerichten zu ihrer sozialistischen Überzeugung. Die beiden ersten Führer der RSJ, der 1945 im KZ ermordete Roman Felleis und der spätere Parteivorsitzende und Bundeskanzler Bruno Kreisky, zählten im großen Sozialistenprozess 1936 zu den mutigsten Rednern. So sagte Kreisky in diesem Prozess:

Ich habe schon gesagt, dass ich nach wie vor Sozialist bin. Weder die Taten der Regierung, noch die aufmerksame Lektüre nichtsozialistischer und antimarxistischer Werke ließen mir eine andere Lösung als die des Sozialismus möglich erscheinen. Ich halte weiter den Klassenkampf für das einzige Mittel der Befreiung der Arbeiterschaft.

Mit dem Einmarsch der Armee Hitler-Deutschlands in Österreich im März 1938 beendeten sowohl die Revolutionären Sozialisten als auch die RSJ ihre Tätigkeit. Der Terror gegen die fortschrittlichen Kräfte war unter den Nazis ungleich brutaler als unter den Austrofaschisten. Einzelne SozialistInnen arbeiteten dennoch in Widerstandsgruppen mit und viele von ihnen – darunter auch die letzten FührerInnen der RSJ, das Ehepaar Hans und Stefanie Kunks, büßten für ihr Engagement im Widerstand und im Untergrund mit dem Leben.

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